Dieses Buch behandelt die Frage, was man unter Bewusstsein versteht. Es geht davon aus, daß wir über unser Zeiterleben Zugang zum Verständnis von Bewußtsein erlangen. Hierin unterscheidet sich dieses Buch prinzipiell von anderen, die zum Thema Bewußtsein veröffentlicht wurden. Zahlreiche Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen haben sich mit dem Thema Bewußtsein befaßt. Dieses neue Interesse mag viele Gründe haben - wie den rein äußerlichen daß wir uns an der Zeitenwende, dem Übertritt zu einem neuen Jahrtausend, plötzlich mehr für die Natur in uns interessieren. Die Lebenswissenschaften gewinnen ein neues Gewicht, und die bevorzugte Untersuchung der Natur um uns , wie sie beispielhaft in der Physik vorgenommen wird, verliert ihre Dominanz. In den Lebenswissenschaften sind es zwei Bereiche, die in das Zentrum des wissenschaftlichen Interesses getreten sind: zum einen die genetische Analyse von Lebensprozessen, zum anderen die Untersuchung neuronaler Programme, wie sie Verhalten und Erleben steuern. Das Thema Bewußtsein gehört nicht allein in die Psychologie, in die Philosophie oder die Hirnforschung, sondern alle Wissenschaftler sind aufgerufen, ihre methodischen Fertigkeiten und ihre Denkweisen einzubringen.
Wie aus diesem Buch deutlich wird, reicht aber der Zusammenhang mit anderen Teilkulturen noch weiter. Bestimmte Phänomene in den Künsten tragen wesentlich zu einer Analyse des Bewußtseins bei. Spricht man von two cultures , den zwei Kulturen, sollte immer mitgedacht werden, daß die zwei Kulturen, wie sie sich in den Geistes- und Naturwissenschaften widerspiegeln, doch nur unterschiedlicher Ausdruck einer einzigen, dem Menschen gemäßen Kultur sind. Für ein besseres Erkennen unserer selbst müssen wir uns allen Denkwegen, bereits vollzogenen oder vielleicht möglichen, öffnen. Die Hinwendung zur Hirnforschung und insbesondere zum Bewußtsein als einem zentralen Thema hat auch eine ganz praktische Ursache. Der Erfolg der Medizin hat dazu beigetragen, daß die Menschen immer älter werden. Durch die höhere Lebenserwartung ist für uns jedoch ein neues Risiko entstanden: Das alternde Gehirn ist besonders anfällig für Störungen, die mit Veränderungen des Bewußtseins einhergehen können. Hierher gehören die Demenzen, z.B. die Alzheimersche Erkrankung, die altersbedingten Schlaganfälle, chronische Schmerzen, die Parkinsonsche Erkrankung und altersbedingte Depressionen. Es gibt daher auch einen ärztlichen Grund, Hirnforschung zu betreiben, um nämlich sicherzustellen, daß Lebensqualität und Lebenswürde erhalten bleiben, und dies ist nur möglich mit vollem Bewußtsein . Damit diese Aufgaben erfüllt werden können, müssen wir verstehen, wie das Gehirn funktioniert. Solches will das Buch von Ernst Pöppel leisten. Es beruht auf eigenen Forschungen des Autors und seines Teams, gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und den Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Grenzen des Bewußtseins erscheint hier in einer überarbeiteten und aktualisierten Neuausgabe. Wie funktioniert unser Gehirn? Wie synchronisieren wir unsere Sinne, und was können wir gleichzeitig erfassen? Was ist Bewußtsein , was leistet es, und welches sind seine Grenzen? Der Psychologe Ernst Pöppel, Direktor im Forschungszentrum Jülich, geht diesen und anderen Fragen nach. Sein Buch ist ein wesentlicher Beitrag zum Verständnis der Identität des Menschen. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.